Das Schultergelenk

Kein anderes Gelenk ermöglicht einen derart grossen Bewegungsradius wie das Schultergelenk. Dazu verfügt das Schultergelenk nicht über ein festes knöchernes Gerüst in dem es geführt wird. Vielmehr erhält dieses lockere Gelenk seine Stabilität durch ein kompliziertes System von Muskeln, Kapsel und Bändern. Eine Tatsache, die es verständlicherweise auch besonders verletzungsanfällig macht. Ist die Zentrierung des Oberarmkopfes in der Schulterpfanne gestört oder liegt eine Einengung des Raumes vor, können eine Vielzahl von Schmerzsyndromen und Schultererkrankungen resultieren. Entzündungen des Schleimbeutels, Sehnenreizungen oder vorzeitiger Verschleiss der Sehne können die Folge sein.

   


Die Rotatorenmanschettenläsion

Die Rotatorenmanschette wird gebildet aus den Sehen von 4 Muskeln. Sie umschließt den Oberarmkopf wie eine Manschette. Ein Teil dieser Muskelansätze liegt unter dem Schulterdach. Somit liegen diese Anteile zwischen zwei gegeneinander beweglichen Knochen und sind gefährdet, eingeklemmt und abgerieben zu werden. Diese Sehnen dienen dazu den Oberarmkopf im Gelenk zu halten und bei Bewegungen in der Gelenkpfanne zu zentrieren

Manchmal reisst die Sehne bei einer großen Anstrengung oder einem Sturz. Meist ist sie schon vorgeschädigt. Eine gesunde Sehne reisst selten bei einem Unfall. Ist die Sehne einmal gerissen, wächst sie nur selten von selbst zusammen. Häufig vergrössert sich der Riss mit der Zeit. Dennoch muss nicht jeder Sehnenriss Beschwerden bereiten und auch nicht jeder muss mit einer Operation angegangen werden. Entscheidend sind Schmerzen und Kraftverlust. Je jünger der Patient ist, um so "grosszügiger" muss die Indikation zu einer operativen Behandlung gestellt werden. Schmerzen können typischerweise nachts auftreten, oder bei Tätigkeiten bei angehobenem Arm. Ausgelöst werden diese Schmerzen durch die Reste der Sehne, die einklemmen können. Eine chronische Entzündung des Schleimbeutels, welcher zwischen der Sehne und dem knöchernen Schulterdach liegt, ist die Folge.

Bei der Operation wird unter dem Schulterdach Platz geschaffen, indem man von diesem Knochen wegnimmt. Danach wird die abgerissene Sehne angefrischt und am Oberarmknochen wieder verankert. Damit kann Funktion, Kraft, und Beschwerdefreiheit wieder hergestellt werden.

   

Das Impingement-Syndrom

Die Rotatorenmanschette ist fast eingeklemmt zwischen zwei Knochen, dem Oberarmkopf und dem Schulterdach. Bei jeder Bewegung ist eine genaue Zentrierung des Oberarmkopfes durch die Muskulatur notwendig. Bei mangelhafter Zentrierung, oder bei Einengung des oben erwähnten Raumes zwischen den beiden Knochen kommt es zur Einklemmung. Es resultiert ein Schmerz in der Schulter. Sowohl der dazwischen liegende Schleimbeutel, wie auch die Sehne können entzündlich reagieren. Es liegt ein sogenanntes "Engpassysndrom" der Schulter vor, welches man Impingementsyndrom nennt. Dieses kann häufig mit gezielter Therapie bekämpt werden, insbesondere, wenn es sich um ein sogenanntes funktionelles Impingement handelt. Das heisst, eine Fehlfunktion in der Zentrierung der Muskeln. Manchmal führt eine Infiltration, die die Entzündung im Zwischenraum dämpft, zur Beschwerdefreiheit, Falls man mit diesen konservativen Therapiemethoden nicht zum Ziel kommt, muss die Operation helfen. Dies vor allem beim strukturellen Impingementsyndrom, wenn eine Einengung durch einen Knochensporn am Schulterdach vorliegt.

   

Die Instabilität der Schulter

Aufgrund der fast alleinigen Stabilisierung des Schultergelenkes durch Kapsel, Bänder und Muskeln ist das Schultergelenk besonders anfällig für eine Instabilität . Die Ursachen dafür können anlagebedingt (Kapselbandschwäche) sein oder sie sind Folgen einer Verletzung. Bei der verletzungsbedingten Instabilität (Schulterluxation) können entweder die sogenannte Gelenklippe (Labrum), Gelenkbänder und Kapsel eingerissen sein. Es kann zusätzlich zu einem Knochenbruch an der Gelenkpfanne oder am Oberarmkopf gekommen sein. Bei der Schulterinstabilität kommt es zu wiederholten schmerzhaften Verrenkungen des Oberarmkopfes aus der Gelenkpfanne zum Beispiel bei Stürzen, sportlichen Überkopfaktivitäten oder bereits nach einfachen Drehbewegungen. Gelegentlich kann die Schulter nur mit fremder Hilfe wieder eingerenkt werden. Die orthopädische Untersuchung ergibt Hinweise auf Vorhandensein, Ausmaß und Richtung der Schulterinstabilität. Im Röntgenbild können knöcherne Verletzungen an Oberarmkopf und Gelenkpfanne diagnostiziert oder ausgeschlossen werden. Zur genauen Abklärung wird heutzutage ausnahmslos eine Kernspintomographie durchgeführt. Bei klarer Schädigung ist die Stabilisierung durch eine Operation zu empfehlen. Nur so kann verhindert werden, dass das Gelenk immer wieder auskugelt und weitere Folgeschäden eintreten. Bei der anlagebedingten Instabilität ist ein gezieltes Muskelaufbautraining zu empfehlen. Hier ist eine Operation meistens nicht notwendig.

   

Die Schultergelenksarthrose

Wie bei jedem anderen Gelenk kann auch bei der Schulter eine Abnutzung, die Arthrose, auftreten. Dies als Folge von Verletzungen, oder sogenannt idiopathisch, das heisst ohne ersichtlichen und erklärbaren Grund. Wenn die konservativen Behandlungsmethoden nicht zum Ziel führen und die Beschwerden Funktion und Lebensqualität deutlich einschränken, bleibt oft nur die operative Versorgung mit einem künstlichen Schultergelenk. Vorgängig versucht man den Schmerzen und der Bewegungseinschränkung aber selbstverständlich durch physiotherapeutische Massnahmen und Medikamente Herr zu werden. Medikamente können dabei eingenommen oder lokal gespritzt werden.

   

Das Schulter-Eckgelenk (AC-Gelenk)

Die Verbindung zwischen Schulterblatt und Schlüsselbein wird Schultereckgelenk (AC-Gelenk) genannt. Dieses kann einerseits durch Verletzungen, andererseits auch im Rahmen einer Abnutzung Schaden nehmen. Arthrosen des Schultereckgelenkes werden häufig gut toleriert, bzw. bereiten keine Schmerzen. Ansonsten spannt sich das Behandlungsspektrum hier von physiotherapeutischen Massnahmen über Infiltrationen bis zur operativen Behandlung. Entsprechend verhält es sich auch bei der frischen Verletzung des Schultereckgelenkes.

   
   

 

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